Unternehmen müssen sich an Kultur (der Achtsamkeit) erinnern

Der Summit „Leistung und Leistungsverlust in der Berufswelt“ hat am ersten Tag bereits erste Erkenntnisse hervorgebracht: Burnout als Begriff ist oft verschwommen. Deswegen sollte besser von Leistungsverfall oder Leistungsverlust gesprochen werden. Faktoren eines Leistungsverfalls beim Arbeitnehmer seien oftmals Beziehungsaspekte in der eigenen Abteilung, die Wertschätzung untereinander und der Grad an Freiraum, den man zur persönlichen Entfaltung und damit inneren Zufriedenheit benötigt. Dabei wurde der interdisziplinäre Ansatz des Summits aus den Perspektiven der Psychologie, Neurologie, Endokrino-Immunologie, Soziologie oder Kulturwissenschaft. Von Anfang an machte sich dabei eine gute Stimmung bemerkbar, die die konstruktiven Diskussionen förderte.

Viele Perspektiven auf eine Linie gebracht                                       

In den einleitenden Worten erläuterte Prof. Dr. Alfred Wolf den Grund für den Kongress: „Es gibt viele Blickwinkel, aus denen man Leistung und Leistungsverlust in der Berufswelt betrachten kann. Heute haben wir viele namhafte Wissenschaftler hier, die wie ähnlich wie Solisten agieren. Diese Solisten wollen wir aber heute und morgen zu einem Orchester zusammenbringen.“

Unternehmen brauchen eine Kultur

Prof. Dr. Jan Teunen während seines Vortrages

Prof. Dr. Jan Teunen während seines Vortrages

Im Anschluss erklärte Prof. Dr. Jan Teunen von der Teunen Konzepte GmbH, dass unsere heutige Arbeitsumgebungen keine Emotionen und Kreativität zuließen. Viele Menschen reagieren deswegen mit Wut, Ärger und Trauer, die sich am Arbeitsplatz bemerkbar mache. Eine Lösung sei, Büros „kulturell aufzuladen“, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhalten. Einfache Mittel seien dabei, sich an alte Methoden zu erinnern und diese zu kombinieren, um so Neues und Raum für die Verwirklichung von individuellen Bedürfnissen zu schaffen. Dies konnte der Hausgastgeber und Geschäftsführer der BERA GmbH bestätigen. Er berichtete von den Erfahrungen aus seinem Unternehmen und wie Unternehmenskultur dazu beitragen kann, Leistungswillen und –fähigkeit aufrecht zu erhalten. Denn ein Verlust von Arbeitskraft führt nach Angaben einer Gallup-Studie zu einem wirtschaftlichen Schaden von über 124 Mrd. € im Jahr.

Stress hat viele Ursachen

Prof. Dr. Pasquale Calabrese stellte heraus, dass Stress von vielen Faktoren abhängig sei und es dementsprechend auch nicht ausreichen könne, nur an einem Punkt anzusetzen, sondern einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen.

„Burnout ist keine medizinische Diagnose“ stellte wiederum Prof. Dr. Harald Gündel fest. Ihm zufolge sei Stress in einer ersten Welle noch leistungssteigernd; erst in einer zweiten Welle erfolgen die in der medialen Welt bekannten Burnout-Symptome wie emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung oder eine reduzierte Leistungsfähigkeit. Schließlich führt ein anhaltender hoher Stresspegel zu noch verheerenderen Krankheitsfällen wie Herzinfarkt, Geschwüre oder chronischen Krankheiten, die aus psycho-endokrino-immunologischer Sicht zur Auslaugung des Körpers führen.

Diskussionen während der Tagung

Diskussionen während der Tagung

Ein bedeutender Stressfaktor in der Arbeitswelt seien dabei persönliche Beziehungen innerhalb der unmittelbaren Arbeitsumgebung, vor allem die Beziehung zum eigenen Chef. Dieser müsse seinen Mitarbeitern Wertschätzung und Achtsamkeit entgegen bringen und ihm Freiräume gewähren, damit sich der Einzelne in seinen individuellen Bedürfnissen entfalten könne. Diese Meinung wurde sowohl von Prof. Dr. Johannes Siegrist gestützt. Auch aus dem Publikum erhielten beide Wissenschaftler breiten Zuspruch. Viele berichteten von ähnlichen Erfahrungen in ihrem Unternehmen.

Ein weiterer Faktor, so stellten die Referenten fest, sei aber auch die genetische Grundlage, die jeder Einzelne mitbringt. So habe jeder seinen eigene Stress“grenze“, die mal schneller, mal langsamer erreicht sei und dementsprechend zum Leistungsverfall führe.

Keine Korrelation zwischen Symptom und Stressgrad

Interessantes stellte Prof. Dr. Alfred Wolf zum Ende des ersten Tages fest: So konnten Studien keine Korrelation zwischen dem Grad der Symptomatik und den biologischen Stressmarken feststellen, was wiederum bestätigte, dass Stress und Leistungsverfall individuell sind. So könnten manche Menschen täglichen beruflichen wie privaten Stress sehr viel besser wegstecken als andere.

Gruppenbild Referenten und Teilnehmer des Kongresses

Gruppenbild Referenten und Teilnehmer des Kongresses

Zusammenfassung des Tages im Video

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s