Führung ist Neuro-Biologie, lieber Prof. Dr. Hüther

Lieber Prof. Dr. Hüther,

im Interview haben Sie das Thema Führung messerscharf und wie immer treffend analysiert und kommentiert. Was Sie beschreiben, entspricht der alltäglichen Erfahrung von Mitarbeitern in vielen Unternehmen.

Nicht zuletzt stützt auch die Gallup-Studie Ihre Feststellung, wonach nur ca. 20% der Mitarbeiter voll engagiert zur Arbeit gehen. „So baut sich eine Druckwelle von oben nach unten auf, die nicht begeistert, sondern entgeistert“. So formulieren Sie es. Auch Ihre Schlussfolgerung „Gute Führung ist ohne gute Selbstführung nicht denkbar“ ist richtig.

Auf der anderen Seite geben Unternehmen immer mehr Geld für Führungskräfteentwicklung aus. Nahezu alle großen Unternehmen und sogar Unternehmen ab 100 Mitarbeitern legen bereits entsprechende Programme auf. Es ist wie so oft: Das Wissen ist vorhanden! Aber warum setzen Führungskräfte diese Prinzipien nicht um? Warum fehlt es an Wertschätzung? Warum gelingt es nicht, Mitarbeiter zu motivieren?

Sie sehen die Ursache in der Unternehmenskultur, ich finde sie in der Biologie. Viele Führungskräfte können neuro-psycho-immu-endokrinologisch nicht gut führen. Oder anders formuliert: Weil Ihnen Ihre Hormone und Neurotransmitter im Weg stehen. Es gibt aus meiner Sicht einen „missing link“ zwischen Führung und Neuro-Biochemie.

Sie, lieber Prof. Hüther, sprechen regelmäßig von „Gedanken machen“, „mutig sein“, doch sie lassen die Biochemie außen vor. Für Handlungen braucht es Dopamin. Um Veränderungen – auch Selbstveränderungen – zu bewirken, müssen Menschen zunächst einen Handlungsimpuls (z.B. ein Seminar über wertschätzenden Umgang) umsetzen können. Meine These: Schon an diesem Vermögen, Impulse zur Veränderung umsetzen zu können, scheitern viele. Wer führen will, braucht Serotonin, bislang betrachteten Unternehmen und Führungskräftetrainer den Weg über Seminare Führung kognitiv zu „lernen“ als den Königsweg.

Was ist, wenn kognitive Methoden aufgrund der Hormonsituation nur sehr schwer greifen können? Wie lautet die Antwort auf die Frage: „Warum hilft das Modul `Wertschätzende Kommunikation` in Führungsausbildungen nicht?“ Führung von Menschen ist zu wichtig, sie nur den psychologisch orientierten Seminartrainern zu überlassen. Unsere Erfahrung in Seminaren lehrt uns: Je bio-chemischer wir einen Teilnehmer betreuen, desto individueller können wir Veränderungen auslösen und zu Impulse zu guter Führung geben. Die Zeit der „psychologischen Seminare“ geht zu Ende, auch dank Ihrer Arbeit.

Lieber Prof. Dr. Hüther, Ihre Wissenschaft gibt uns die Chance weiter zu denken, über die Grenze von Seminaren, Wertschätzung oder Achtsamkeit hinaus. Die Neuro-Biologie kann uns helfen, wirkliche Veränderung möglich zu machen. Es wird Zeit, diese Chance zu nutzen.

Herzliche Grüße aus Hopferau
Sebastian Spörer

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